von ZierFisch am Fr 17. Jun 2011, 18:35
Ich wundere mich oft, wie schnell man jemanden als "Gutmensch" bezeichnet. Auf Amelie und Fritz passt dieses Wort vielleicht, weil sie sich standhaft weigerten, zu erkennen, wie böse Rafael ist. Aber Vanessa? Sie kommt mir noch viel zu wankelmütig vor. Bis vor kurzem hat sie sich noch wider besseres Wissen dauernd Chancen ausgerechent, wie sie auf dem Schloss bleiben kann. Und sogar, als sie Isabelle heute von ihrem Gefängnisbesuch erzählte, geriet sie ganz kurz noch mal ins Schwanken. Dass Rafael schlecht ist, wusste sie. Aber erst die Aufklärung des Mordes hat ihr wirklich die Augen geöffnet. Noch kann ich sie nicht als gut bezeichnen. Sie entwickelt sich gerade langsam in die Richtung. Und man kann ihr nur wünschen (auch dem Kind zuliebe) dass sie tatsächlich bald den Absprung von Rafael schafft. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass sie durch und durch schlecht ist. Aber sie hat sich mit ihren ganzen Intrigen einen Panzer übergestülpt, von dem sie sich erst noch befreien muss. Und weil sie mit diesem Panzer ganz gut gelebt hat, kann das dauern.
"Gutmenschentum" sollte man nicht mit "Nächstenliebe" verwechseln. Bei der "Nächstenliebe" weiß´man, dass der Mitmensch seine Fehler hat, versucht aber trotzdem, ihn anzunehmen. Ein "Gutmensch" ist für mich jemand, der konsquent an die schöne heile Welt glaubt und in jedem Menschen immer nur das Gute sieht, so wie Amelie und Fritz eben. Rafael bezeichnete heute auch David und Lena als Gutmenschen, aber das kann ich nicht teilen. Sie haben doch noch eher einen Blick für die Realität. Aber das, was aus Rafaels Mund kommt, muss man ja sowieso mit Vorsicht genießen...
"In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst."
(nach Augustinus Aurelius)