von ZierFisch am Sa 27. Mär 2010, 21:55
Felix war überrascht. Dass Iris die Freundin seines eigenen Bruders gewesen war, hätte er wirklich nicht gedacht. Schließlich hatte Markus ihm seine Beziehungen immer geheimgehalten. "Kleiner, das geht dich nichts an!" hatte er immer wieder gesagt. Seinen jüngeren Bruder hatte Markus noch nie für voll genommen. Und jetzt? Wie würde Markus reagieren, wenn er erfuhr, dass Felix sich für seine Ex-Freundin interessierte? Da waren Stress und Ärger vorprogrammiert.
Iris sah ihren Gast von der Seite an und lächelte. Wenn das hier der Bruder ihres Ex-Freundes war, dann hätten sie wohl nicht unterschiedlicher sein können. Ein netter Junge, dachte sie. Und dass er sich für sie interessierte, war offensichtlich. Iris dachte darüber nach, was wohl passierte, wenn sie sich öfter mit Felix treffen würde. Wie würde Markus dann reagieren? Sie ahnte nicht, dass Felix gerade genau das gleiche dachte.
Schließlich fasste Iris sich ein Herz. "Felix, ich muss dir was sagen", begann sie. "Weißt du, das mit Markus ist noch sehr frisch und ich muss das erstmal verdauen. Im Moment bin ich noch nicht bereit für etwas Neues." Felix sah sie verwirrt an. So deutlich war er doch noch gar nicht geworden, oder? Hatte sie so schnell durchschaut, was er wollte? Iris redete weiter. "Ich würde mich freuen, dich öfter zu sehen. Aber ich weiß nicht, wie das gehen soll. Ich habe Markus rausgeschmissen und er wollte das nicht akzeptieren. Er wird toben vor Eifersucht. Selbst wenn außer ein paar Treffen nichts zwischen uns sein sollte." Sie stand auf und ging zur Tür. Felix wusste, was das bedeutete. Der schöne Abend war urplötzlich zu Ende. "Warte mal", sagte er. "Wir können uns doch öfter treffen. Ich wohne doch nicht mehr zu Hause. Markus kriegt doch überhaupt nichts davon mit! BItte ruf' mich an, wenn du mich sehen willst." Mit diesen Worten drückte er ihr einen Zettel mit seiner Handy-Nummer in die Hand. Iris lächelte wieder. "Ist gut, mach' ich", sagte sie. "Versprochen. Aber lass uns bitte nichts überstürzen. Mir wäre erstmal eine freundschaftliche Ebene wichtig. Alles weitere wird sich finden." "Klar", Felix seufzte. "Oh Mann, mein Bruder hat dir ganz schön zugesetzt." Inzwischen standen beide an der Tür. Felix spürte, dass er nicht länger bleiben konnte und ihr jetzt Zeit lassen musste. "Mach's gut." "Es war ein schöner Abend. Danke."
Felix nickte nur. Und dann geschah es: Gerade als Felix das Treppenhaus betrat, hörten sie das laute Aufheulen eines Motors und direkt danach das ohrenbetäubende Quietschen von Bremsen. Sie sahen sich erschrocken an. Beide wussten instinktiv, wer da gerade vorm Haus vorgefahren war. Schließlich hatten sie den ganzen Abend von ihm geredet.
"In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst."
(nach Augustinus Aurelius)