von ZierFisch am So 28. Feb 2010, 18:51
Felix wurde aus seinen Tagträumen gerissen, konnte sich bei Karins Gejammer aber ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Da regte sich doch ihr schlechtes Gewissen, oder? "Och, so viel hat er gar nicht von euch erzählt...", begann er. "Eigentlich habe ich die meiste Zeit geredet. Robert war schon immer ein sehr guter Zuhörer. Weißt du, eigentlich..." Karin unterbrach ihn. Sie klang genervt: "Guter Zuhörer? Eher ein egoistisches Trampeltier, würde ich sagen!" Egoistisch. Musste sie gerade sagen, die damals, als er sie auf den Betrug ansprach, so tat, als wäre das ihr gutes Recht. Entnervt legte Felix wieder auf und versuchte sich erneut auf's Lernen zu konzentrieren.
Doch seine Gedanken kehrten immer wieder zu Karin zurück. Die Fragen, die gestern im Gespräch mit Robert auftauchten, waren noch immer nicht beantwortet und drängten sich ihm nun auf's Neue auf. Was war der Grund dafür gewesen, dass sie ihn damals für einen anderen verlassen hatte? Was hatte er falsch gemacht? Und war das vielleicht sogar wieder gut zu machen? Er dachte an die gemeinsame Zeit zurück.
Als sie sich damals kennen gelernt hatten, war sein Leben gerade in einer Krise. Die ach so heile Welt, die sein Vater immer aufrechterhalten hatte, um vor der Presse als der Großunternehmer mit Vorzeigefamilie dazustehen, war zusammengebrochen. Felix hatte entdeckt, dass seine Familie ein Geheimnis hütete, die nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner geliebten großen Schwester für immer verändern sollte.
Und Karin war einfach da gewesen. Sie hatte nicht viele Fragen gestellt. Sie war in dieser schweren Zeit der Halt, den Felix brauchte. Felix hielt inne. War das vielleicht der Grund? Hatte er sich zu sehr mit den eigenen Problemen beschäftigt und dabei ganz übersehen, was in Karin vorging? Dieser Gedanke ließ ihm keine Ruhe. Er musste sie unbedingt sprechen. So schnell wie möglich.
"Die wesentlichen Dinge im Leben kommen nicht aus uns selbst, sondern auf uns zu."
(Quelle leider unbekannt)